Staatstheater Nürnberg

ANTIGONE nach Sophokles

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MEHR DRAMA – Eine Reihe für den digitalen Unterricht. Gefüllt mit kompaktem Wissen rund um Inszenierungen des Staatstheaters Nürnberg. Abgestimmt auf Themen des Lehrplans kommen spannende Themen rund um das Theater ins digitale Klassenzimmer!



Antigone will nichts weiter, als ihrem toten Bruder eine würdige Bestattung zu ermöglichen. Dieser hatte seine Geburtsstadt Theben im Bruderkrieg angegriffen und soll deswegen in der Sonne verrotten und von Tieren gefressen werden. So verlangt es Kreon, ihr Onkel, der als neuer König versucht Theben nach überstandener Epidemie und dem gerade beendeten Krieg zu stabilisieren. Ein unversöhnlicher Konflikt bis in den Tod.

Antigone soll sterben, weil sie die Macht Kreons in Frage stellt und den Bruder gegen seine Anweisung begräbt. Kreon lässt Antigone in ein Felsengrab einmauern.

Antigone 1Foto: Konrad Fersterer


Der blinde Seher Teiresias versucht Kreon den Unversöhnlichen zur Einsicht zu bringen. Doch erst die Prophezeiung unausweichlichen Unglücks bringt den König ins Schwanken. Er will Antigone eigenhändig befreien, seine Entscheidung kommt allerdings zu spät: Die Verurteilte hat sich bereits mit ihrem Brautschleier erhängt. Kreons Sohn Haimon ersticht sich neben der Leiche seiner Verlobten. Eurydike, Kreons Gemahlin, nimmt sich, nachdem sie die Nachricht vom Tode ihres Sohnes erhalten hat, ebenfalls das Leben. Gebrochen und einsam bleibt Kreon zurück.

Antigone 6Foto: Konrad Fersterer

Und wer hat Recht?

Jede Zeit beurteilt den Widerstand von Antigone anders. Auch heute fragt man sich, handelt Antigone richtig, wenn sie sich gegen die tyrannischen Gebote Kreons richtet?

1918 hat ein Schüler in dem Roman von Alfred Döblin „Karl und Rosa“ eine klare Haltung. Ein Lehrer beginnt nach dem Ende des 1. Weltkrieges den Unterricht mit einer Besprechung der „Antigone“ des Sophokles. Einer der Schüler vertritt im Unterricht folgende Position:

„Es zeigte sich, daß dem Schüler diese Heldin nicht gefiel. Sie verstieße gegen Gesetze des Staates, und noch dazu während eines Krieges, und zwar aus einem privaten Motiv, und demnach geschehe ihr ganz recht. ... Antigone ist ein Weib, das nicht die mindeste Ahnung davon hat, was ein Staat ist. Daß man sich seine Gefühle zu verkneifen hat, wenn es um die Allgemeinheit geht, und daß sich manche sogar für den Staat opfern, das geht in ihren kleinen Gehirnkasten nicht hinein. Sie kann nur wie ein Schloßhund jaulen, nachdem man ihr auf den Fuß getreten hat. Es ist eigentlich eine ausgefallene Idee, eine solche Person, die ihrer Umgebung mit ihren Gefühlen Schwierigkeiten bereitet und die imstande ist, alle zu gefährden, zu einer tragischen Heldin aufputzen zu wollen.“

Hier kannst du den eingesprochenen Text von Pauline Kästner hören. Sie spielt in unserer Inszenierung die Antigone:

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Ganz nebenbei erfährt man ein wenig über das herrschende Frauenbild um 1918. Aber eigentlich interessant ist die Frage: Woher nimmt der Schüler seine Ansichten? Und hat er Sophokles damit auf seiner Seite?

Expert*innenwissen Sophokles (PDF)

Mehr Drama - Antigone (ExpWissen)


Frage an Pauline Kästner: Die Figur, die du spielst, musst du mit deiner heutigen Lebenswelt in Verbindung bringen können, um sie verstehen zu können. Wenn du nun den Auszug von Döblin liest, geht es Antigone tatsächlich nur um ihre eigenen Gefühle, um private Motive? Hat sie mit allem Unrecht und keine Ahnung wie ein Staat funktioniert?

Hier kannst du ihre Antwort hören:

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In der folgenden Szene treffen Kreon und Antigone aufeinander. Was meinst du, fürchtet Kreon am meisten? Vielleicht haben Schüler*innen Lust die Szene in verteilten Rollen zu lesen, dann wird der Text sofort lebendiger:

Mehr Drama - Antigone (Textauszug)


In dem Textauszug sind viele Gefühle und Gedanken verborgen. Ihr habt die Möglichkeit die Schauspielerin zu euch in den Unterricht einzuladen, momentan digital. Mit ihr könnt ihr über eure Gedanken zu Antigone sprechen.

Kontakt: anja.sparberg@staatstheater-nuernberg.de

Wie geht Antigone mit dem Hass von Kreon um? Wie ist es, im Zentrum der Inszenierung zu stehen? Kann man sterben spielen? Denkt Antigone bis zum Schluss, dass sie Recht hat? Und wie sind ihre Gefühle zu ihrer Schwester Ismene? All das und noch viel mehr könnt ihr direkt erfahren.

Und hier noch ein Podcast mit Regisseur Andreas Kriegenburg, der in den letzten Jahrzehnten Theatergeschichte geschrieben hat.

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