Staatstheater Nürnberg

Glück - aber um welchen Preis?

Die klassische Vorlage von William Shakespeares „Ein Sommernachtstraum“ dient Goyo Montero als Inspirationsquelle und Sprungbrett in eine Interpretation, die ihren ganz individuellen Zugang zu diesem Werk der Weltliteratur und vor allem zu dessen Protagonisten sucht.

Midsummernights Dream SW hellerBild: Oliver Schuck.

In seiner Interpretation A MIDSUMMERNIGHT'S DREAM geht der Choreograf den Schattenseiten der Protagonisten und den Unwägbarkeiten auf jeglichen Lebenswegen nach. Inspiriert von Goethes Ballade vom „Erlkönig“ bildet die Keimzelle der Inszenierung das Thema des verlorenen Sohnes.

Goyo Montero: Vor einigen Jahren kam mein Sohn zur Welt. Wenn ich meinen Sohn beobachte, denke ich viel an Puck! Kinder haben so eine Energie! Sie agieren ohne Strategie. Sie treiben aber auch manchmal das Spiel zu weit… Es bleibt immer ein bisschen unberechenbar. Und seitdem beschäftigt mich wiederum als Vater die Frage, was passiert, wenn ich ihn, das Wichtigste in meinem Leben, verliere? Dieser Verlust wäre das Ende meiner Welt! Plötzlich hat sich meine ganz eigene Verbindung zum „Midsummernight’s Dream“ hergestellt mit der Frage: Was passiert, wenn ein Mann seinen Sohn im Wald verliert? – Hier war auch bereits die erste Idee zu einer zusätzlichen Musik zu Mendelssohn-Bartholdy: nämlich Schuberts „Erlkönig“ nach der berühmten Ballade von Goethe. Was nun, wenn Puck dieser verlorene Sohn wäre – wer wäre sein Vater?

Der Shakespeare‘sche „Sommernachtstraum“ bietet per se eine komplexe literarische Struktur, verbindet reale und Traum-Welten, verwischt Ebenen der Wahrnehmung und stellt seine Figuren vor existenzielle Fragestellungen.

Goyo Montero: Natürlich ist Shakespeares Vorlage eine grandiose Komödie! Aber ich lese darin eine sehr dunkle Komödie, in der viel Sarkasmus und bittere Ironie steckt. Das Spiel mit dem flüchtigen Verliebt-Sein und den schnellen oder auch beliebigen Partnerwechseln wird sicher ein sehr humorvoller Moment in der Choreografie. Aber hier bekommen wir auch die Macht von Puck demonstriert. Mein „Sommernachtstraum“ ist eher als ein Stück über das Suchen zu begreifen. Was braucht man, um ans Glück zu gelangen – und mit welchen Mitteln?

Video: Tina Lorenz, Creative Commons CC-BY-SA

Passend dazu:

Nach oben

Diese Webseite verwendet Cookies, um für Sie eine möglichst einfache Nutzung der Seite sicherzustellen. Weitere Hinweise Datenschutzerklärung