Staatstheater Nürnberg

Anwesenheitsnotiz - Grüße aus dem Gluck

Grüße aus dem Gluck TITELBILD

Pocken, Pest und Cholera waren die Epidemien, die Christoph Willibald Gluck im 18. Jahrhundert überlebt hat. Sicherlich würde sich der Namenspatron unseres Gluck-Saals im Opernhaus den musikalischen Grüßen unserer Ensemblemitglieder anschließen! Schließlich wurde er im benachbarten Berching geboren und war selbst Musiker und Opernkomponist.



Die ganze Welt ist wie verhext

Dass unser Opernensemblemitglied Hans Kittelmann nicht nur über eine wundervolle Stimme, sondern auch über das Talent verfügt, ebenso charmante wie herrlich skurrile Figuren zu zeichnen und diese mit viel Humor auf die Bühne zu bringen, hat er bereits in zahlreichen Produktionen am Staatstheater unter Beweis stellen können. Nun, in Zeiten der Pandemie, heißt es, noch dazu besonders erfinderisch zu sein, denn was zuvor im vielköpfigen Team gemeinsam gestemmt wurde, liegt nun Corona-bedingt in nur wenigen Händen. Da hilft es manchmal nur, sich selbst zu multiplizieren, sei es als Partner*in auf der Bühne, als Masken- oder Kostümbildner. Unterstützt von der engagierten Videoabteilung des Staatstheaters gibt Tenor Hans Kittelmann hier mit vollem gesanglichen, schauspielerischen und humoristischen Einsatz gemeinsam mit Solorepetitor Andreas Paetzold Evergreens aus den späten 1920ern und frühen 30er Jahren zum Besten: von „Veronika, der Lenz ist da!“ (Walter Jurmann / Fritz Rotter) und „Mein kleiner grüner Kaktus“ (Bert Reisfeld / Albrecht Marcuse) über „Tante Paula liegt im Bett und isst Tomaten“ (Walter Kollo / Hermann Frey) und „Mein Bruder macht im Tonfilm die Geräusche“ (Fred Raymond / Luigi Bernauer / Charles Amberg) bis hin zu „Wochenend und Sonnenschein“ (Charles Amberg / Milton Ager) und „Liebling, mein Herz lässt dich grüßen“ (Werner Richard / Robert Gilbert) – ein Konzert mit Ohrwurmgarantie und getragen von der Hoffnung, dass es auf der Bühne bald wieder so lebendig zugeht wie in Prä-Corona-Zeiten!

Video: Boris Brinkmann | Creative Commons CC-BY-SA


Nur wer die Sehnsucht kennt.

Wer kennt sie nicht, die Sehnsucht, das bittersüße Gefühl, dem Unerreichbaren nahe sein zu wollen. In der Epoche der Romantik wurde die Sehnsucht selbst zum Sehnsuchtsort und fand in der blauen Blume ihr zentrales Motiv. Und bis heute prägt dieses schmerzlich-schöne Gefühl Musik, Literatur und Kunst gleichermaßen. In ihrem Konzert präsentieren Mezzosopranistin Paula Meisinger und Pianistin Lyndsi Maus vom Internationalen Opernstudio fünf Lieder aus dem 19. und 20. Jahrhunderts, die auf ganz unterschiedliche Weise die Sehnsucht musikalisch zum Ausdruck bringen: „Morgen“ von Richard Strauss (1864-1949), „Neue Liebe“ von Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847), „Über allen Gipfeln ist Ruh“ und „Loreley“ von Franz Liszt (1811-1886) sowie „Glückwunsch“ von Erich Wolfgang Korngold (1897-1957). Und in diesen Liedern schwingt die eigene Sehnsucht mit, bald wieder vor Publikum singen und musizieren zu dürfen.

Video: Boris Brinkmann | Creative Commons CC-BY-SA


Ein musikalischer Gruß nach Italien

Aus Solidarität mit den besonders hart von den Auswirkungen des Coronavirus betroffenen Italienern interpretiert der Tenor John Pumphrey aus dem Opernensemble gemeinsam mit Studienleiter Benjamin Schneider das bekannte neapolitanische Lied „Torna a Surriento“ von Ernesto De Curtis und Giambattista De Curtis. Darin werden die Schönheit Sorrents sowie die Sehnsucht nach der Geliebten besungen. Komm zurück nach Sorrent, heißt es im Titel. Wir hoffen, dass sich die Situation in Italien bald verbessert und Familienmitglieder und Freunde in absehbarer Zeit wieder zueinanderfinden, ob in Sorrent oder andernorts.

Video: John Pumphrey | Creative Commons CC-BY-SA


Auszüge aus César Cuis Oper „Das Gelage während der Pest“

1830 veröffentlichte der russische Dichter Alexander Puschkin zusammen mit drei weiteren kleinen Tragödien das Kurzdrama „Das Gelage während der Pest“, in dem er eine Szene aus John Wilsons „The City of the Plague" aufgreift. Darin feiert eine ausgelassene Gesellschaft – die Gefahr ignorierend und dem Tode spottend – im von der Pest heimgesuchten London ein makabres Fest. Vertont wurde das Werk neben Sergej Prokofjew von dem litauischen Komponisten, Musikkritiker und Offizier César Cui. Angesichts der Aktualität des Werkes plant der russische Regisseur Dmitry Otyakovsky, die einaktige Oper ins Zentrum eines Onlineprojektes zu stellen, an dem auch John Pumphrey aus dem Opernensemble beteiligt ist. Auszüge daraus interpretiert unser Tenor gemeinsam mit Studienleiter Benjamin Schneider.

Video: John Pumphrey | Creative Commons CC-BY-SA


"Sei getreu, alle Pein“ von Johann Sebastian Bach

Aus der Kirchenkantate „Weinen, Klagen, Sorgen, Zagen“ von Johann Sebastian Bach, eines der frühen Werke aus seiner Weimarer Zeit, interpretiert Tenor Martin Platz aus dem Opernensemble gemeinsam mit Studienleiter Benjamin Schneider die Arie „Sei getreu, alle Pein“. Bachs Kantate ist für den dritten Sonntag nach Ostern (Jubilate) bestimmt, dem der Text aus dem Johannesevangelium Joh 16, 16-23 (Eure Traurigkeit soll in Freude verkehrt werden) zugrunde liegt.

Video: Boris Brinkmann | Creative Commons CC-BY-SA


Dämonische Klänge

Am 4. April sollte Dmitry Bertmans Inszenierung von „Der Dämon“, eine Koproduktion mit dem Gran Teatre del Liceu Barcelona, der Opéra National de Bordeaux und der Helikon Opera Moskau, am Staatstheater Nürnberg ihre Premiere feiern. So war zumindest der Plan, bevor das Corona-Virus den Theaterbetrieb stilllegte. Rubinsteins bekannteste Oper erzählt die schauer-romantische Geschichte der jungen Adligen Tamara, die durch ihre Liebe den Dämon, einen Fürsten der Finsternis und Unheilbringer, zum Guten bekehren will. Jochen Kupfer, der die Rolle des Dämons übernehmen sollte, präsentiert nun gemeinsam mit Studienleiter Benjamin Schneider Corona zum Trotz Ausschnitte aus dieser intensiven Oper, deren Motivik an Wagners „Fliegenden Holländer“ erinnert.

Video: Jochen Kupfer | Creative Commons CC-BY-SA


„Zueignung“ von Richard Strauss

Das Lied „Zueignung“ ist eines der bekanntesten Werke von Richard Strauss. Komponiert hat er es nach dem Gedicht „Habe Dank“ des österreichischen Dichters Hermann von Gilm. Es ist das erste von acht Liedern des deutschen Komponisten nach Gedichten von Gilm, die Strauss als op. 10 veröffentlichte. Interpretiert wird es hier von Bassbariton Jochen Kupfer, am Klavier wird er begleitet von Kapellmeister Esteban Dominguez-Gonzalvo.

Video: Boris Brinkmann | Creative Commons CC-BY-SA

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